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Neues gepflügt?
Nicht, indem man direkte Anstrengungen macht, um gewisse Gefühle oder Eindrücke zu erzeugen. Man begeht manchen Irrtum in dieser Beziehung, weil man sich nicht die Gesetze des menschlichen Geistes vergegenwärtigt. Die Leute sprechen oft von Gefühlserregungen in einer Weise, als ob diese durch irgendwelche direkten Anstrengungen hervorzurufen wären; aber das ist den Gesetzen der Natur ganz zuwider. Niemand kann ein Gefühl in sich erzeugen, indem er sich bemüht, dieses oder jenes zu fühlen. Unser Gefühlsleben steht keineswegs unter unserer direkten Kontrolle; wir können ebensowenig direkt darauf einwirken, wie wir nicht imstande sind, einen Geist aus dem Abgrund heraufzubeschwören. Die Gemütsbewegungen hängen nicht von unserm Willen ab, wohl aber von gewissen Umständen. Doch kann man sie auf indirekte Weise beeinflussen, sonst hätten sie keinerlei moralischen Wert. Wir können zwar nicht sagen: „Nun will ich in bezug auf dieses oder jenes so oder so fühlen", aber wir können doch unsere Aufmerksamkeit auf den Gegenstand richten und so lange und ernsthaft darüber nachdenken, bis das richtige Gefühl kommt. — Wenn ein von seinen Angehörigen getrennter Familienvater an die Seinen denkt, so wird er die entsprechenden Gefühle empfinden, nicht aber, indem er sich sagt: „Jetzt will ich einmal tief für meine Frau und Kinder fühlen." Will man Liebe oder Haß empfinden, so muß man etwas denken, was diese Gefühle einflößt, Ebenso wird ein Mensch, wenn er seine Gedanken auf Gott richtet und die eine oder andere seiner herrlichen Eigenschaften betrachtet, die entsprechenden Gefühle empfinden; sie werden auf diese Weise ganz genau von selbst kommen; das ist in den Gesetzen unserer Natur begründet. Ist er Gott freundlich gesinnt, so werden bei der Betrachtung seiner Güte und Heiligkeit Gefühle der Ehrerbietung und Liebe in ihm entzündet; ist er dagegen ein Feind Gottes, so wird sich sein Haß gegen Gott nur steigern, jedesmal, wenn er sich an den Charakter des mächtigen Gottes erinnert, der die Sünde abgrundtief verabscheut.
Wollt ihr also euren harten Herzensboden umgraben und ihn für den Samen des Wortes Gottes empfänglich machen, so richtet eure Gedanken auf Gott, anstatt sie dahin oder dorthin schweifen zu lassen und euch einzubilden, wenn ihr in eine oder zwei Versammlungen geht, werden die richtigen Gefühle schon von selbst kommen. Geht in diesem wie in allen anderen Stücken vernünftig zu Werke. Gott hat euch ebenso freie Kontrolle über eure Gefühle gegeben wie über eure Gliedmaßen. Wenn die Menschen ihre Gliedmaßen genauso wenig beherrschten wie ihre Gefühle, wärt ihr heute abend nicht hier. Wollt ihr ein Neues pflügen, so müßt ihr damit anfangen, in eure Herzen zu sehen, euren inneren Zustand genau zu erforschen, um zu wissen, wo ihr dran seid. Viele denken gar nicht, daß eine solche Arbeit nötig sein könnte; sie blicken nie in ihre Herzen, geben sich nie Rechenschaft, wie es um ihr Innenleben bestellt ist, ob sie wachsen oder abnehmen. Wollt ihr weise sein, so müßt ihr euch von allem anderen abwenden und eure Aufmerksamkeit einzig und allein auf dieses richten, und zwar müßt ihr es ernst damit nehmen, nicht eilig über die Sache weggehen. Untersucht eure innere Herzensstellung gründlich und seht, ob ihr täglich mit Gott oder mit dem Teufel lebt, wem ihr am meisten dient — Gott oder dem Teufel, ob ihr unter der Herrschaft des Fürsten der Finsternis oder unter der des Herrn Jesus Christus steht.
Um das zu können, müßt ihr euch ans Werk machen, eure Herzen zu erforschen. Damit meine ich nicht, daß ihr euren Gemütszustand ergründen und euch Rechenschaft zu geben versuchen sollt, was ihr fühlt oder nicht fühlt. — Das wäre das beste Mittel, alle Gefühle im Keim zu ersticken, und wäre ebenso sinnlos, als wenn ein Mensch seine Augen vor dem Licht verschließen wollte, um zu sehen, was für ein Bild die Netzhaut widerspiegelt. Natürlich wird er so nichts sehen! Und weshalb nicht? Weil er die Augen von dem Gegenstand, den er sehen will, abwendet. Wir können uns unserer moralischen Gefühle ebensogut bewußt werden, wie unserer Sinne. Um ihnen auf die Spur zu kommen, muß man seinen Versland anwenden. Sein Inneres erforschen heißt demnach, einen Rückblick auf sein Leben und Tun richten und sich die einzelnen Sünden, die man begangen hat, ins Gedächtnis zurückrufen. Damit meine ich nicht, daß ihr einen Blick auf eure Vergangenheit werfen, deren Sündhaftigkeit kennen und dann zu Gott gehen sollt, um ihm sozusagen eine Generalbeichte abzulegen und im allgemeinen um Verzeihung zu bitten. Ihr müßt die Sünden einzeln nehmen. Vielleicht wäre es gut, wenn ihr sie aufschreiben würdet, so wie sie euch der Reihe nach ins Gedächtnis kommen. Tut das mit derselben Genauigkeit, mit der ein Kaufmann seine Rechnungen in Ordnung bringt. Allgemeine Sündenbekenntnisse haben in der Regel wenig Wert; eure Sünden sind einzeln begangen worden — soweit ihr euch erinnern könnt, müßt ihr sie also auch einzeln bereuen. Beginnt damit ohne Verzug, und zwar zuerst mit den sogenannten
Unterlassungssünden.
Nehmt diese Sünde z.B. und schreibt genau die einzelnen Fälle auf, deren ihr euch erinnern könnt, bei denen ihr Gnadengaben von Gott empfangen, für die ihr ihm aber nie gedankt habt. An wie viele solcher Fälle könnt ihr euch erinnern? Habt ihr nicht merkwürdiges Eingreifen Gottes und wunderbare Fügungen der Ereignisse, durch die ihr vor dem Untergang bewahrt wurdet, zu verzeichnen? Schreibt die Beispiele von der Güte Gottes auf, als ihr noch Sünder wart, und für die ihr ihm nie dankbar genug gewesen seid. Werdet ihr beim Gedanken an die zahlreichen Gnaden, die ihr seit eurer Bekehrung von Gott empfangen habt, nicht erkennen müssen, daß das Register eurer Undankbarkeiten gegen Gott so lang und schwarz ist, daß ihr alle Ursache habt, euch vor Scham zu verstecken? So geht auf die Knie, um sie einzeln eurem Gott zu bekennen und ihn um Verzeihung zu bitten. Über dem Bekenntnis werden euch durch die Erinnerung andere Undankbarkeiten zum Bewußtsein kommen. Notiert sie; seid ihr dann die Liste drei- bis viermal durchgegangen, so werdet ihr sehen, für welche Unmenge von Gnaden ihr Gott nie gedankt habt.
Bedenkt, welchen Schmerz ihr empfinden würdet, wenn ihr bemerken müßtet, daß eure Frauen, eure Männer oder Kinder euch weniger lieb haben als früher, und daß andere ihre Herzen, ihre Gedanken und ihre Zeit ausfüllen. Vielleicht würdet ihr in einem solchen Fall nahezu umkommen vor Eifersucht. Gott nennt sich selbst einen eifersüchtigen Gott. Habt ihr euch nicht der Untreue gegen ihn schuldig gemacht und die Schwerste aller Sünden in ihm begangen, indem ihr anderen Zutritt zu euren Herzen gewährt labt, anstatt ihm allein?
- Vernachlässigung der Bibel.
Schreibt auf, wie oft ihr wochenlang, vielleicht noch länger, keine Freude an Gottes Wort hattet. Wie viele Leute lesen ganze Kapitel durch, ohne darüber nachzudenken. Wenn ihr es auch so gemacht habt, so ist es nicht zu verwundern, wenn euer Leben nichts für Gott bewirkt, und euer Christentum so kläglich ist.
Notiert die einzelnen Fälle, wo ihr Gott im Grunde zum Lügner gemacht habt, indem ihr seinem Wort und seinen Verheißungen nicht geglaubt habt, Gott hat versprochen, daß er denen, die ihn bitten, seinen Heiligen Geist geben will. Habt ihr das geglaubt und erwartet, daß er es tun wird, oder habt ihr nicht vielmehr, während ihr gebetet habt, im Grunde des Herzens gedacht: „Ich glaube nicht, daß ich den Heiligen Geist empfangen werde?" In diesem Fall habt ihr Gott zum Lügner gemacht.
- Vernachlässigung des Gebets.
Schreibt die Fälle auf, in denen ihr das „Gebet im Kämmerlein", die Hausandacht oder den Besuch der öffentlichen Gebetsstunden entweder ganz versäumt, oder in einer Weise gebetet habt, die eine Beleidigung Gottes war.
- Vernachlässigung der Gnadenmittel.
Notiert die Fälle, in denen ihr euch durch Kleinigkeiten abhalten ließt, den Versammlungen beizuwohnen, und die Heilsmittel vernachlässigt habt, nur weil ihr momentan keinen Geschmack an der Erfüllung eurer geistlichen Pflichten hattet.
Die Art und Weise, wie ihr euch dieser Pflichten entledigt habt:
— ohne mit dem Herzen dabei zu sein — ohne Glauben — mit einem auf das Irdische gerichteten Sinn. Eure Worte waren nur leeres Geschwätz und der Beachtung Gottes in keiner Weise wert. Wie oft seid ihr niedergekniet und habt eure Gebete so gedankenlos dahergeleiert, daß ihr schon nach fünf Minuten nicht mehr hättet sagen können, was ihr gebetet habt.
- Mangel an Liebe zu den Seelen eurer Mitmenschen.
Schaut euch im Kreise eurer Verwandten und Bekannten um und versucht euch Rechenschaft zu geben, wie wenig euch ihr Seelenheil am Herzen gelegen hat. Ihr habt sie unbekümmert schnurstracks der Hölle zuwandern sehen. Wie oft habt ihr tagelang nicht eine einzige innige Bitte um ihre Errettung zu Gott heraufgesandt, ja nicht einmal von Herzen gewünscht, daß sie sich bekehren möchten?
- Mangel an Interesse für die Heiden.
Vielleicht habt ihr nicht einmal genug Interesse für sie gehabt, um zu sehen, wie es mit ihnen steht. Vielleicht habt ihr noch nicht einmal ein Missionsblatt zur Hand genommen! Untersucht einmal ehrlich und gewissenhaft, wieviel Liebe ihr für die Heiden habt und bemeßt diese nach den Opfern, die ihr es euch kosten laßt, ihnen das Evangelium nahezubringen.
Versagt ihr euch wenigstens die schädlichen Überflüssigkeiten des Lebens, wie Alkohol und Tabak? Schränkt ihr euch ein in eurer Lebensweise, und setzt ihr euch auch dann und wann einmal einer Unbequemlichkeit aus, um etwas zu ihrer Rettung beitragen zu können? Betet ihr tagtäglich für sie „im Kämmerlein"? Besucht ihr regelmäßig die öffentlichen Missionsstunden und legt ihr auch monatlich etwas beiseite für die Schatzkammer des Herrn? Wenn ihr das nicht tut und euch die Bekehrung der armen, umnachteten Heiden nicht wirklich ein Anliegen ist, warum nennt ihr euch dann Christen? Ist das nicht Heuchelei und eine Schande für den, dessen Namen ihr tragt?
- Vernachlässigung eurer Familienpflichten.
Wie lebt ihr vor euren Familiengliedern? Wie betet ihr? Welches Beispiel habt ihr ihnen gegeben? Was habt ihr bis jetzt für ihr Wohl getan? Welche Pflicht habt ihr nicht vernachlässigt?
- Vernachlässigung eurer gesellschaftlichen Pflichten.
Stellt euch die gleichen Fragen, was diese betrifft.
- Mangel an Wachsamkeit über euer eigenes Leben.
Notiert die verschiedenen Fälle, in denen ihr eure speziellen Pflichten nicht gewissenhaft erfüllt habt, der euch anvertrauten Aufgabe nicht treu nachgekommen seid und eure Rechnung mit Gott nicht ehrlich in Ordnung gebracht habt; wo ihr die Wachsamkeit über euer eigenes Verhalten gänzlich außer acht gelassen und euch so an der Welt, euren Brüdern und Schwestern und an eurem Gott versündigt habt.
- Mangel an Wachsamkeit euren Brüdern gegenüber.
Wie oft habt ihr euer Versprechen gebrochen, vor dem Herrn für sie zu wachen! Wie wenig kümmert ihr euch über ihren inneren Zustand! Und doch seid ihr mit allem Ernst dazu verpflichtet. Was habt ihr getan, um sie näher kennen zu lernen und euch von ihrer Herzensstellung zu überzeugen? Notiert die Namen derer, um die ihr euch hättet kümmern sollen, und wo ihr euch in dieser Beziehung ein Versäumnis zu Schulden habt kommen lassen, schreibt es jedenfalls nieder. Wie oft habt ihr eure Brüder kalt werden, eine geistliche Pflicht nach der anderen vernachlässigen oder gar in Sünde fallen sehen, und sie nicht gewarnt, keinen Finger gerührt, um ihnen wieder zurecht zu helfen? Und doch behauptet ihr, ihr hättet sie lieb! Welche Heuchelei! Könntet ihr ruhig zusehen, wie sich eure Frauen oder Kinder ins Unglück, in die Flammen stürzen, und würdet ihr nichts sagen und nichts tun, um sie aufzuhalten? Nein, gewiß nicht. Was kommt euch dann in den Sinn, zu behaupten, ihr liebt eure Brüder und Schwestern und liebt den Herrn Jesus, wenn ihr sie ins Verderben stürzen laßt, ohne ihnen nur ein warnendes Wort zuzurufen?
- Mangel an Selbstverleugnung.
Es gibt Christen, die zu allem bereit sind, was zur Förderung des geistlichen Lebens vorgeschlagen wird, so lange es sie persönlich nichts kostet; aber sobald man irgend etwas von ihnen will, was die geringste Selbstverleugnung verlangt — dann ist es zu viel! Sie meinen, sie tun viel für den Herrn, ungefähr so viel, wie er gerechterweise von ihnen verlangen kann, wenn ihnen die Sache auch keinerlei Mühe macht. Aber es fällt ihnen nicht ein, sich für den Dienst des Herrn irgendeine Selbstverleugnung aufzuerlegen, irgendeine Bequemlichkeit daranzugeben, eine Unannehmlichkeit auf sich zu nehmen oder dergleichen. Sie wollen nicht um des Namens Christi willen Schmach leiden, noch Annehmlichkeiten des Lebens aufgeben, um die Welt von der Hölle zu erretten. Sie wissen gar nicht, was Selbstverleugnung ist, geschweige denn, daß man ohne diese kein wahrer Jünger Jesu sein kann. Sie haben sich um Christi und des Evangeliums willen nie auch nur eine Haarschleife oder eine Stecknadel versagt. In welcher Selbsttäuschung befinden sich diese sogenannten Christen! Sie sind eigentlich noch auf dem Weg zur Hölle. Einige von ihnen geben von ihrem Überfluß und beklagen sich, daß andere nicht mehr geben. Im Grunde aber geben sie nur, was sie selbst nicht brauchen, oder Dinge, die ihnen kein Genuß sind. Jene arme Frau, die fünfzig Pfennige in die Missionsbüchse tut, hat mehr Selbstverleugnung geübt als sie, die Tausende geben. Gehen wir nun über zu den
Verstoßsunden.
1. Weltlicher Sinn.
Wie steht ihr innerlich zu euren Reichtümern? Habt ihr sie als euer persönliches Eigentum angesehen, mit dem ihr frei schalten und walten dürft nach eurem Belieben? Ist das der Fall gewesen, so schreibt es nieder. Habt ihr die Güter dieser Welt um ihrer selbst willen lieb gehabt oder um eurer Wollust, Eigenliebe und Gier zu fröhnen, oder um sie für eure Angehörigen anzuhäufen, so habt ihr gesündigt und müßt Buße tun.
2. Hochmut.
Ruft euch die einzelnen Fälle ins Gedächtnis zurück, in denen ihr euch beim Hochmut ertappt habt. Wie oft habt ihr mehr Mühe und Zeit darauf verwendet, euren äußeren Menschen zu schmücken, bevor ihr in die Kirche gingt, als euch innerlich auf den Gottesdienst vorzubereiten. Der Gedanke, welchen Eindruck euer Äußeres auf eure Mitmenschen macht, hat euch weit mehr beschäftigt als der, was der herzensuchende Gott wohl von eurem inneren Zustand hält. Mit einem Wort, ihr habt eher die Ehre vor Menschen als die Ehre Gottes gesucht, und habt durch euer Auftreten die Aufmerksamkeit der Leute von Gott weg auf euch gelenkt. Vergeblich behauptet ihr nun, daß euch nichts an der Beachtung eurer Mitmenschen gelegen ist. Fragt euch einmal ehrlich: würdet ihr so viel Mühe auf euer Äußeres verwenden, wenn jedermann blind wäre?
3. Neid.
Fragt euch, wo ihr neidisch auf die gewesen seid, die ihr in irgend einer Weise für bevorzugt haltet. Oder vielleicht habt ihr anderen ihre Gaben und ihre Brauchbarkeit mißgönnt. Seid ihr nie auf Lob, das anderen gespendet wurde, eifersüchtig gewesen, und war es euch nicht lieber, wenn mehr bei deren Fehlem als bei ihren guten Eigenschaften, bei ihren Mißerfolgen als bei ihren Erfolgen verweilt wurde? Seid ehrlich mit euch, und wenn ihr dieser teuflischen Gesinnung in eurem Herzen Raum gegeben habt, so tut ernsthaft darüber Buße, sonst wird euch Gott nicht verzeihen.
4. Richtgeist.
Schreibt auf, wie oft ihr Bitterkeit in euren Herzen beherbergt und lieblos von euren Mitchristen gesprochen habt, d.h. wo ihr es an der Liebe fehlen ließet, die immer das Beste hofft und in zweifelhaften Fällen die Dinge zum Besten auslegt.
5. Üble Nachrede.
Notiert, wo ihr unnötigerweise und ohne guten Grund hinter dem Rücken der Leute über die wirklichen und vermeintlichen Fehler an Gemeindegliedern oder anderen geredet habt. Das gehört unter die Rubrik der „üblen Nachrede". Man braucht nicht zu lügen, um sich darin schuldig zu machen; es genügt, daß man mit der Absicht zu schaden die Wahrheit sagt.
6. Leichtsinn.
Wie oft habt ihr in Gottes Gegenwart leichtsinnige Scherze gemacht, die ihr euch im Beisein eines irdischen Herrschers nie und nimmer erlaubt hättet? Entweder habt ihr vergessen, daß es einen Gott gibt, oder ihr habt weniger Ehrerbietung vor ihm als vor einem irdischen Richter.
7. Lügen.
Bedenkt, was unter „Lügen" zu verstehen ist. Jede absichtliche Täuschung ist eine Lüge, So oft du einen Eindruck hervorzurufen suchst, der der Wahrheit nicht entspricht, lügst du. Schreibe alle derartigen Fälle, an die du dich erinnerst, nieder. Versuche nicht, ihnen einen milderen Namen zu geben. Gott nennt das lügen, und du tust gut daran, deine Sünde nicht zu beschönigen. Wie unzählige Male macht man sich den Tag über im geschäftlichen sowie im gesellschaftlichen Umgang durch Worte, Blicke und Handlungen, die den Zweck haben, andere irre zu führen, der Lüge schuldig!
8. Betrug.
Schreibt die einzelnen Fälle auf, in denen ihr anderen gegenüber gehandelt habt, wie ihr nicht möchtet, daß man euch gegenüber handeln würde. Das heißt betrügen. Die Regel, die euch Gott zur Richtschnur gegeben hat, ist in den Worten enthalten: „Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch." Habt ihr das nicht getan, so seid ihr Betrüger. Beachtet wohl, es heißt nicht, ihr sollt anderen tun, was ihr vernünftigerweise von ihnen erwarten könnt — das wäre eine Regel, die alle möglichen Ausschreitungen zuließe — sondern es heißt: „was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!"
9. Heuchelei.
Denkt nach, wo ihr euch in euren Gebeten und den Bekenntnissen, die ihr Gott abgelegt habt, der Heuchelei schuldig gemacht habt. Schreibt die Fälle auf, in denen ihr um Dinge gebeten habt, die ihr nicht wirklich wolltet, und von denen ihr nachher kaum mehr wußtet, daß ihr sie verlangt hattet. Wie oft habt ihr Sünden bekannt, mit denen ihr nicht ernsthaft zu brechen gedachtet. Ihr seid nicht fest entschlossen gewesen, sie nicht wieder zu begehen. Ja, ihr habt Sünden bekannt, von denen ihr im voraus wußtet, daß sie wieder vorkommen werden.
10. Diebstahl gegen Gott.
Ich denke hierbei an die vielen Fälle, in denen ihr eure Zeit schlecht angewandt und in unsinnigen Vergnügungen, leerem Geschwätz, Lektüre von Romanen und Nichtstun die kostbaren Stunden vergeudet habt, die euch Gott' zu Seinem Dienst und zur Rettung von unsterblichen Seelen anvertraut hatte. Ich denke ferner an den Mißbrauch, den ihr mit euren Gaben und Geisteskräften getrieben habt, an das viele Geld, das ihr vergeudet habt, sei es zur Befriedigung eurer Wollust oder auf andere unnütze Weise, so daß es weder zu eurer Gesundheit, noch zu eurem Wohlergehen, noch zu eurer größeren Brauchbarkeit beitrug. Einige von euch haben vielleicht viel Geld für Tabak ausgeben, von starken alkoholischen Getränken gar nicht zu reden.
11. Launenhaftigkeit.
Wenn ihr euren Frauen, Kindern, Nachbarn oder Dienstboten gegenüber euren Launen freien Lauf laßt, so schreibt das auch auf.
12. Dem Gutestun anderer Hindernisse in den Weg legen.
Vielleicht habt ihr den Einfluß eurer Brüder oder Schwestern untergraben, indem ihr gewisse Gerüchte verbreitetet. Nicht nur, daß ihr Gott die Gaben vorenthieltet, die er euch persönlich anvertraute, ihr habt auch noch denen, die für ihn arbeiten wollten, die Hände gebunden. Was ist das doch für ein nichtsnutziger Knecht, der nicht nur selbst müßig ist, sondern auch noch seine Mitknechte an der Arbeit hindert! Das kann geschehen, indem man ihre Zeit unnötigerweise beansprucht, oder indem man das Vertrauen zu ihnen untergräbt. Damit habt ihr dem Teufel in die Hände gespielt und nicht nur selbst ein nichtstuendes Dasein geführt, sondern auch die Arbeit anderer gehindert,
Kommt euch zum Bewußtsein, daß ihr euch gegen einen Mitmenschen vergangen habt und er ist für euch zu erreichen, so geht sofort zu ihm und bekennt ihm eure Schuld, damit ihr sie aus dem Weg räumt. Ist die Person, gegen die ihr euch versündigt habt, zu weit von euch entfernt, als daß ihr zu ihr gehen könntet, so setzt euch hin und bekennt euer Unrecht schriftlich. Falls ihr jemanden betrogen habt, schickt ihm das Geld, und zwar die ganze Summe mitsamt der Zinsen.
Geht in dem allen gründlich zu Werke, und zwar sofort. Schiebt es nicht hinaus; denn ihr macht es damit nur schlimmer. Bekennt Gott die Sünden, die ihr gegen Gott, und den Menschen die Sünden, die ihr gegen die Menschen begangen habt. Denkt nicht, daß es euch gelingen wird, die Steine des Anstoßes zu umgehen, sondern räumt sie aus dem Weg. Wollt ihr ein Neues pflügen, so müßt ihr mit allen Hindernissen gründlich aufräumen. Oft bleiben Dinge im Rückstand, die man für Kleinigkeiten hält, und man wundert sich, weshalb man keinen rechten Frieden und keine rechte Freude hat, während der einzige Grund ist, daß das stolze, fleischlich gesinnte Herz etwas zugedeckt hat, was Gott bekannt und aus dem Weg geräumt haben wollte. Wühlt den Boden gründlich auf und grabt ihn um. Geht nicht oberflächlich zu Werke. Fahrt mit dem Pflug durch dick und dünn, grabt tiefe Furchen und wendet das Erdreich um und um, damit es weich, zur Aufnahme des Samens empfänglich und geeignet wird, hundertfältige Frucht zu tragen.
Habt ihr euer Leben auf diese Weise gründlich durchgenommen, so tut es ein zweites Mal, womöglich mit noch größerer Aufmerksamkeit — ihr werdet dann finden, daß die Dinge, die ihr aufgeschrieben habt, euch andere ins Gedächtnis zurückrufen werden, deren ihr euch zu gleicher oder wenigstens annähernd zu gleicher Zeit oder bei der gleichen Gelegenheit schuldig gemacht habt, Bei einer dritten Durchforschung eures Lebens werden euch wieder andere Dinge einfallen, die mit diesen im Zusammenhang stehen. Schließlich werdet ihr sehen, daß ihr euch schon in diesem Leben an eine solche Unmenge einzelner Handlungen erinnern könnt, wie ihr kaum gedacht hättet, daß es in der Ewigkeit möglich wäre. Nur wenn ihr auf diese Weise euren Sünden einzeln nachgeht und sie euch eine nach der anderen vor Augen stellt, könnt ihr euch einen Begriff von ihrer Unmenge machen. Ihr solltet die Einzelheiten eures Lebens so gründlich und so sorgfältig und so ernst durchnehmen, als müßtet ihr in wenigen Augenblicken vor Gericht erscheinen.
Während ihr so euer Sündenregister durchgeht, faßt den festen Entschluß, auf der Stelle ein anderes Leben anzufangen. Sowie ihr irgendein Unrecht entdeckt, nehmt euch in der Kraft Gottes vor, es nie wieder zu tun, Es würde euch gar nichts nützen, euer Leben zu erforschen, wenn ihr euch nicht zugleich entschließen würdet, euch in jedem Punkt zu bessern, wo ihr in Herz, Charakter oder Leben etwas Unrechtes findet.
Wenn trotz aller Aufrichtigkeit, mit der ihr bei der Erforschung eures Lebens zu Werke geht, die Finsternis nicht weicht, so sucht den Grund herauszufinden. Es wird euch sicherlich klar werden, weshalb sich der Geist Gottes von euch zurückgezogen hat. Ihr seid nicht treu und gründlich genug gewesen. Bei einer solchen Arbeit gilt es, sich Gewalt antun; man muß sich vernünftig ans Werk machen, sich die Bibel vornehmen und sein Herz erforschen, bis man in die richtige Gemütsverfassung kommt. Ihr könnt nicht erwarten, daß Gott ein Wunder tun wird, um euren Herzensboden empfänglich zu machen und einen Neubruch zu pflügen. Es muß das durch die Kraft des Heiligen Geistes und unsere völlige Hingabe geschehen. Richtet eure Aufmerksamkeit auf eure Sünden. Ihr könnt sie nicht lange und gründlich ansehen und euch deren Abscheulichkeit bewußt werden, ohne daß sie euch zu Herzen, und zwar tief zu Herzen gehen. Die Erfahrung beweißt, wie gut eine solche Herzenserforschung ist. So macht euch sofort ans Werk, und nehmt euch vor, nicht stille zu stehen, bis ihr wirklich von Herzensgrund beten könnt. Nie wird der Geist Gottes in euch Wohnung nehmen, bis ihr alles Verborgene ans Licht gezogen und eure Sünden vor Gott ausgebreitet habt. Laßt dieses Werk des Bußetuns und Bekennens ein tiefgehendes sein;
brecht völlig vor eurem Gott zusammen; so werdet ihr so viel Gebetsgeist haben, wie euer Körper ertragen kann. Der Grund, weshalb so wenige Christen etwas vom Geist des Gebets wissen, ist, daß sie sich nie die Mühe gemacht haben, ihr Herz ordentlich zu erforschen und es auf diese Weise zerbrechen zu lassen.
Ihr seht, ich habe heute nur angefangen, dieses Thema zu behandeln; ich werde im Laufe der Vorträge tiefer darauf eingehen, und wollt ihr mir gehorchen, so wird der Erfolg ebenso sicher sein, als wenn der Bauer einen Acker pflügt, von den Steinen befreit und besät. Ja, eure Arbeit wird dieses Resultat haben, wenn ihr, die ihr mir zuhört, euch ans Werk macht, und euch keine Ruhe gönnt, bis eure harten, steinigen Herzen weich geworden sind.
Weitere Bemerkungen
1. Es ist vollständig nutzlos, euch weiter vorzupredigen, solange eure Herzen in diesem harten, wüsten, ungebrochenen Zustand sind. Gerade so gut könnte der Bauer auf den Felsen säen. Er wird keine Frucht hervorbringen. Das ist die Ursache, weshalb es in der Gemeinde Christi so viele unfruchtbare Namenchristen, so viel äußeres Machwerk und so wenig tiefgehende Frömmigkeit gibt. Wie viel Machwerk und wie wenig Kraft der Frömmigkeit ist z.B. in der Sonntagsschule! Wenn ihr so weitermacht, wird euch das Wort Gottes -mehr und mehr verhärten, und es wird immer schlimmer mit euch werden, gerade wie der Boden eines Brachfelds vom Regen und Schnee nur immer härter und knolliger wird.
2. Seht, weshalb so viel nutzlos, ja mehr als nutzlos gepredigt wird. Es kommt daher, weil die Gemeinde nicht ein Neues pflügen will. Ein Pfarrer mag sich tot predigen und wenig oder nichts ausrichten, wenn so viele seiner Zuhörer nie die Steine und Schollen aus ihrem Herzensboden weggeräumt haben. Sie sind nur halb bekehrt, und ihre Frömmigkeit besteht eher in einer Meinungs- als Sinnesänderung. Es gibt viele mechanische, aber sehr wenig wahre Herzensfrömmigkeit.
3. Die Gläubigen sollten sich nie damit begnügen oder davon eine Erweckung erwarten, daß sie aus dem Schlaf auffahren, geschäftig hin- und herlaufen und mit den Sündern reden. Sie müssen ein Neues pflügen. Es ist vollkommen unlogisch, sich einzubilden, man könne auf diese Weise etwas auf geistlichem Gebiet erreichen. Wenn ihr, nachdem ihr ein Neues gepflügt habt, warmes Interesse für das Seelenheil eurer Mitmenschen bekommen wollt, so redet mit den Sündern, die auf dem Weg zur Hölle sind, und weist die Bekümmerten auf den Heiland hin, dann werdet ihr bald fühlen, daß eure Herzen warm werden. Ist nicht jene tiefe Arbeit in euch vorgegangen, von der ich heute gesprochen habe, so mögt ihr in eine gewisse Aufregung geraten, einen gewissen Eifer zeigen, aber es wird nur vorübergehend sein, und die Sünder werden nicht davon gepackt werden.
4. Wollt ihr nun schließlich „ein Neues pflügen", wie die Schrift sagt? Wollt ihr die Bahn betreten, die ich euch gezeigt habe und nicht davon weichen, bis ihr gründlich aufgerüttelt seid? Bleibt ihr in diesem Punkt zurück, bereitet ihr euch nicht auf die weiteren Vorträge vor, indem ihr meinem Rat gehorcht, so könnt ihr mir nicht mehr folgen. Ich bin mit euch gegangen, so weit es für den Augenblick sinnvoll war; nun müßt ihr euch gründlich an die Arbeit machen, sonst wird euch alles, was ich weiter zu sagen habe, gar nichts nützen. Macht ihr euch nicht sofort ans Werk. so nehme ich an dass ihr nicht innerlich erneuert werden, sondern euren Seelsorger allein vorwärts gehen lassen wollt. Ich klage euch dann der Schuld an, Christus verlassen zu haben, weil ihr nicht damit anfangen wollt, Buße zu tun Seid ihr jedoch bereit, euch unverzüglich ans Werk zu machen, so werde ich euch mit Gottes Hilfe nächsten Freitag die erste Anleizung geben, wie man es anfängt, Seelen für den Herrn zu gewinnen.
Quelle: Aus einer Predigt, unbekannt
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