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Überfließende Gnade
Wenn ich so über dieses Wort und den Inhalt nachdenke - Gnade... Gnaaade - dann geht in mir folgendes vor: Ich überleg, was bedeutet eigentlich Gnade.
Gnade hat doch nur Sinn, wenn es auch etwas gibt wie zum Beispiel Ungnade oder eventuell Gericht. Gnade hat also seine Bedeutung aus dem Gegenteil. So wie ich nur ermessen kann, dass ich ich bin, wenn ich jemandem gegenüber sein kann und wie ich mich erkenne in Gottes Gegenwart oder in Gemeinschaft mit anderen Menschen und sehe, die sind die und ich bin ich Kompliziert? Nein gar nicht. Man erkennt eben den Unterschied von etwas erst, wenn man eine andere Sache kennen lernt.
Nun also zur Gnade. Ich lerne doch Gnade erst schätzen, wenn ich den Zustand der Ungnade, des Gerichtes, kennen gelernt habe, wenn ich mir bewusst bin, was die Gnade in meinem Leben ausmacht. Erst dann kann ich Gnade in eine Relation setzen und verstehen, was Gnade bedeutet. Gnade hat doch keinen Sinn, wenn es allen gut geht und keiner unter dem Gericht ist, dann braucht er ja keine Gnade. Wenn es kein Gesetz und keine Regeln gibt, keine Norm, kein Maß und keine Instanz, die Recht spricht oder Recht und
Unrecht beschließt und an der man sich messen lassen muss. Im biblischen Gnadenbegriff, der eng mit dem Begriff der Gerechtigkeit zusammenhängt, wird Gnade und Gesetz, Gerechtigkeit und Erlösung zuerst einmal im Kontext von Beziehung verstanden und nicht so sehr im Maß eines unbrechbaren Gesetzeskodexes. Über Gnade und Ungnade entscheidet also nicht ein gutes oder nicht so gutes Leben, nach irgendwelchen Geboten, Satzungen oder Normen, sondern die Qualität einer Beziehung. In Jesus haben wir Gnade vor Gott gefunden. Ja schon, aber Gnade von was?
So will und muss ich doch dieses Thema mit einer Abhandlung der Ungnade und des Gerichtes beginnen. Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass das Evangelium, also die frohe Botschaft, erst einmal mit Gericht anfängt? Die gute Nachricht fängt grotesker Weise erst einmal mit einer schlechten Nachricht an. Der Mensch ist verloren und abgefallen, er ermangelt des Ruhmes und der Würde, die er vor Gott haben sollte. Daher, weil er seine eigene, seine ureigenste Bestimmung verloren hat, nämlich als Kind Gottes, ihm ein Gegenüber zu sein, ist er würdelos und innerlich wertlos. Er kann aus eigenen Stücken auch nicht mehr zurück, welche religiöse, politische oder weltanschauliche Lösung er auch immer präsentiert. Kein Ideal, keine religiöse Übung, keine Kirchenzugehörigkeit, keine Vereinszugehörigkeit kann ihm diese Würde und Bestimmung zurückgeben. Ohne diese Würde und ohne diese Bestimmung aber ist der Mensch haltlos und letztlich im wahrsten Sinne des Wortes ´unmenschlich`.
Da er seine Bestimmung nicht lebt, ist der Mensch für Gott und seine Absicht auch nicht mehr zu gebrauchen, er ist beziehungsuntauglich sowohl ihm, Gott selbst gegenüber als auch anderen Menschen gegenüber. Gott spricht also als der souveräne Besitzer das Urteil über den Menschen und stellt fest, dass diese ,Erfindung' nicht funktioniert und daher .ausgemustert' wird, er kommt in den .Abfall'. Hier sehen wir, welchen Höhepunkt und welche Dramatik der Werdegang des Menschen erfahren hat und wenn wir uns die heutige Gesellschaft anschauen, dann sehen wir, wie versucht wird, durch Verordnungen und Regelungen, Resolutionen und Erklärungen diesen Missstand zu beseitigen. Nebenbei: Der Gipfel der Ungnade wird am Ende der Zeiten des Menschen das Imitat der Gnade auf menschlichen Rechtsgrundlagen sein, die eher einer Maulkorbdiktatur gleicht, in der man durch Totschweigen der oben aufgezeigten Wahrheit Gottes diese Ungnade und dieses Gericht zu unterbinden sucht. Der Satan wird eben kommen als Engel des Lichts, der eine menschlichsatanische ,Gnade' präsentieren wird. Schon Luther sagte, dass der Satan der Affe Gottes ist und versucht, alles nachzumachen...
Gottes Weg sieht aber anders aus und jetzt kommt echte Gnade ins Spiel. Diese unbarmherzige Situation, in der der Mensch sich jetzt befindet, dieser .Abfall', diese identitätslose Schöpfung, die ihre Bestimmung nur in und durch Gott erhalten kann, wurde erlöst von einem Einzigen, nämlich Jesus Christus von Nazareth. In ihm haben wir Gnade gefunden, und nur durch ihn ist diese Identitätskrise dieser Beziehungsknick mit Gott, auszugleichen.
Wenn wir ihn annehmen, dann geschieht es, dass Gott der Vater und Schöpfer allen Lebens, den missglückten Bauplan wieder aus dem Mülleimer zieht und ergänzt durch seinen Sohn Jesus, vervollkommnet durch diesen herrlichen Messias und dass der Mensch gebraucht werden kann und doch eine Chance auf eine Bestimmung erhält.
Überfließende Gnade ist also die Unser Feind ist nicht so sehr die von Gott selber initiierte Karriere vom `kosmischen Mülleimer' zur Herrlichkeit und Beziehung, zur göttlichen Identität, exklusiv gewirkt durch Jesus Christus. Diese Gnade kann man doch wahrlich als überfließend bezeichnen, insbesondere, da Gott uns nicht nur vom Minus auf eben mal Nullstellung bringt, sondern in Christus auch die ganzen Reichtümer, die Taufe im Heiligen Geist, Gaben, Berufung usw. mit schenkt, ermutigt und fördert. Da kann man doch ins Schwärmen kommen. Das ist Evangelium, das sollen alle Menschen hören - diese Gnade sollen alle Menschen schmecken. Bleibt mir noch anzumerken, dass ich für uns Christen im Abendland eine kleine Falle entdecke, die uns dieser Sicht und dieses Gewinnes berauben kann und dies ist die Falle nicht der Ungnade, obwohl diese auch auftreten kann, nein es ist dies die Falle der .Selbstverständlichkeit'. Hier im Abendland und insbesondere in Deutschland haben wir eine Kultur des Bedient werdens und der Selbstverständlichkeit und auch der Undankbarkeit entwickelt. Wehe uns, wenn wir diese Eigenschaft annehmen, dann werden sich unsere Parameter verschieben und wir nehmen an, dass weil es uns so gut geht, wir ein Anrecht darauf hätten und wir fokussieren uns auf materielle Segnungen als Ausfluss der Gnade usw.
Unser Feind ist nicht so sehr die Ungnade sondern unsere Tendenz, Gottes Segnung und unser Glück, von Gott gerufen worden zu sein, als selbstverständlich hinzunehmen und uns dann nicht mehr darauf zu konzentrieren, dankbar und freudig zu sein, sondern sogar eine Anspruchshaltung zu generieren. Wehe uns, denn dies ist der Rückschritt zur Ungnade und der Raub, die Demontage, der Untergang unseres Heils, welches aus Gnade geschieht.
Es soll unser Teil sein, diese Gnade zu erleben, in Hauskreisen zu pflegen, zu ermutigen, darin zu wandeln, zu leben und von dieser Gnade auch anderen weiterzusagen, nicht als religiöse Besserwisser sondern als Beschenkte, die anderen dieses Glück auch gönnen und die wissen, was sie an dieser Gnade haben und wer dieser großzügige Gott ist. Diese Gnade reicht für alle Menschen und wir sollen und können sie weitergeben und fließen lassen. Ist das nicht wunderbar?
Der Friede Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei also mit uns allen.
D. Syring
Damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Epheser 2,7
Quelle: Blickpunkt CZW
www.feldzeichen.de
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